Bauernaufstände 1525

Bereits an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert kam es in Süddeutschland zu mehreren Bauernaufständen (1476 Aufstand des „Pfeifers von Niklashausen“ in Franken, 1493 „Bundschuh-Aufstand“ am Oberrhein, 1514 Aufstand des „Armen Konrad“ in Schwaben). An der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit traf das wachsende Selbstbewusstsein der Untertanen, des „gemeinen Mannes“, mit der Krise der feudalen Adelswelt, des Landesfürstentums und der Kirche zusammen. Die Bauern setzten sich gegen den zunehmenden Geld- und Frondruck verarmter Grundherren zur Wehr. Ab den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts war die Reformation ein weiterer Grund für die Aufstände gegen die Mächtigen im Land.
1524 erhoben sich die Bauern in Waldshut und Stühlingen (Baden-Württemberg). Diese Revolte breitete sich schlagartig bis nach Thüringen und Oberösterreich aus. Sie ist in die Geschichte als der „große deutsche Bauernkrieg“ vom 1525 eingegangen.

Erzherzog Ferdinand I. (1503-1564)

Erzherzog Ferdinand I.
(1503-1564)

Am 22. Mai 1525 berichtete der Vizestatthalter der niederösterreichischen Regierung, Leonhard von Harrach, an Erzherzog Ferdinand I. nach Innsbruck, dass sich 12000 Bauern in der Umgebung von Wiener Neustadt zusammengerottet hätten. Etwa zu gleichen Zeit plünderten Untertanen des Klosters Zwettl einige Meierhöfe des Stiftes und verjagten mehrere weltliche Beamte ihrer Grundherrschaft. Bürger und Bauern von Melk drohten, das Stift zu stürmen und die Geistlichen zum Fenster hinaus zu werfen. Hier blieb es bei der Drohung. Anders aber in Lilienfeld: Dort drangen Untertanen des Zisterzienserstifts in das Klostergebäude ein. Abt Wolfgang entging der Wut der Aufständischen nur, weil er nach Annaberg flüchten könnte. Das Kloster wurde geplündert. Zu tumultartigen Unruhen kam es auch in einigen Mostviertler Gemeinden nahe der oberösterreichischen Grenze, und Puchheim’sche Untertanen in Kottes verhielten sich ihrer Grundherrschaft gegenüber aufmüpfig und widerspenstig. Auf diese Nachrichten hin beschlossen Regierung und Landtag von Niederösterreich militärische Maßnahmen.
Der Grund, warum aus dieser Zeit fast nur Übergriffe gegen geistliche Grundherrschaften überliefert sind, ist in der schwierigen Quellenlage zu suchen. Die wenigen Schriftstücke über diese Auseinendersetzungen, welche die folgenden kriegerischen Jahre (Türkennot, Dreißigjähriger Krieg ...) unbeschadet überstanden, finden sich eben vorwiegend in den Archiven der Klöster. Der Zorn der aufständischen Bauer traf jedenfalls in gleichem Maß auch weltliche Grundherrschaften. Trotz der Einschränkungen, die sich aus der Quellenlage ergeben, kann es als sicher gelten, dass Niederösterreich 1525 nur von Ausläufern des großen deutschen Bauernkrieges gestreift wurde. Die Ursachen dafür sind in der einigermaßen günstigen Lage der Bauernschaft Niederösterreichs am Beginn des 16. Jahrhunderts zu suchen.

Ein großer Teil des Landes wurde erst relativ spät kolonisiert. Die hier im 10., 11. und 12. Jahrhundert angesiedelten Bauern waren keine Unfreien, die von ihren weltlichen oder geistlichen Grundherren zwangsweise verschickt wurden, sondern angeworbene Kolonisten, die, durch günstige Angebote der Grundherren verlockt, hier eine Verbesserung ihrer rechtlichen und wirtschaftlichen Lage erhofften.
Im ausgehenden Mittelalter hatte fast jeder Bauer Niederösterreichs ein erbliches Nutzungsrecht an seinem Hof und den dazugehörigen Gründen, das ihm nicht nur die Vererbung auf seine Kinder, sondern auch einen Verkauf ermöglichte. Die Verpflichtung zur Abgabe von Dienstleistungen lag gleichsam als Hypothek auf den „untertänigen“ Liegenschaften. Fast alle Forderungen waren aber fixiert und durften von der Grundherrschaft nur bei Vorliegen besonderer Gründe gesteigert werden. Im Vergleich zur modernen Besteuerung waren die damaligen Leistungen der Bauern nicht hoch, angesichts der geringen Produktivität aber stellten sie doch eine erhebliche Belastung dar.
Bei den Herrschaftsgerichten Niederösterreichs wurde nicht nach dem Ermessen des Herrn oder seiner Beamten entschieden, sondern die Urteilsfindung war Sache von Schöffen, die aus dem Kreis der Untertanen stammten. Solange allgemein anerkannte, verbindliche Rechtsaufzeichnungen fehlten, kam diesen Schöffen und besonders dem Vorsprecher dieses Kollegiums, der die Urteilsvorschläge zu unterbreiten hatte, große Bedeutung für die Rechtsfeststellung und Rechtsentwicklung zu. Soweit es möglich war, wurde nach alten Gewohnheiten geurteilt. So hatten die Untertanen auch einen Einfluss auf die Rechtgestaltung.
In den Gerichtsversammlungen wurden nicht nur Zivil- und Strafgerichtsurteile gefällt, sondern auch Angelegenheiten der Untertanengemeinden besprochen und die Amtleute, Dorf- und Marktrichter gewählt. Diesen Gemeindefunktionären übertrugen die Grundherren die Wahrnehmung verschiedener obrigkeitlicher Rechte, so dass die Untertanen in vielen alltäglichen Angelegenheiten nicht mit dem Grundherrn oder seinem Verwalter, sondern mit den Gemeindevorstehern konfrontiert wurden.

Die Bedrohung durch das Osmanische Reich und seine Verbündeten brachte es aber mit sich, dass der Landesherr am Beginn den 16. Jahrhunderts in große Bedrängnis geriet. Die Landstände mussten höheren finanziellen Beiträgen für die Landesverteidigung zustimmen. Daher dürften auch die herrschaftlichen Forderungen an die Bauern erhöht worden sein. Möglicherweise waren aber auch religiöse Motive (im Gefolge der Reformation) neben wirtschaftlichen Gründen Ursache für die Unruhen im Land. Den Beschwerden, welche die Bauern im Jahr 1525 gegen ihre Grundherrschaften einbrachten, ist jedenfalls zu entnehmen, dass es vor allem die ungewohnt hohen Steuerlasten und die rigoros geforderten Robotleistungen waren, die ihren Unmut erregten und letztlich wohl auch zum Aufstand führten.
So beklagten sich die Untertanen des Klosters Zwettl aus Rudmanns, Oberhof, Großhaslau, Strahlbach, Germanns, Pötzles und aus einigen anderen Orten bei Abt Erasmus Leisser, dass sie die Ernte des Getreides (Weizen, Roggen und Hafer) auf den Äckern des Klosters zu besorgen hätten, ohne dafür eine Entlohnung zu erhalten. Auch müssten sie die geerntete Frucht in die Klosterscheunen führen, ohne dafür bezahlt zu werden. Die Dienstkäse müssten jetzt ein bestimmtes Gewicht haben, auch wären sie jetzt angehalten, statt den Dienst um Geld abzulösen, dafür Käse und Eier zu reichen. Schwer würden sie auch durch die unentgeltlich zu leistenden Weinfuhren von Zistersdorf und Wien (Nussdorf) bedrückt, welche sie früher um Geld hätten ablösen können, die jetzt aber tatsächlich geleistet werden müssten. Ebenso beklagten sie sich, dass sie die herrschaftlichen Äcker bearbeiten und düngen müssten, was sie zu leisten früher nicht verpflichtet gewesen wären. Außerdem wolle man sie jetzt verhalten, in den Klosterwäldern Bäume zu fällen und in die Säge zu führen, sowie sie es auch schwer empfänden, das Brennholz für das Kloster zu hacken und ohne Entlohnung in dasselbe zu führen.
Abt Erasmus Leisser wies die Forderungen seiner Untertanen um Verminderungen der Abgaben und Robotleistungen zurück. Knapp zuvor waren dem Kloster bedeutende finanzielle Lasten als Beitrag zur „Landesdefension“ gegen die Türken auferlegt worden, und wenig später musste es über Auftrag der Regierung auch noch 600 Gulden und drei gerüstete Pferde zu Niederwerfung des Bauernaufstandes beisteuern.
Die bäuerlichen Untertanen des Klosters gaben sich mit der Abweisung ihrer Forderungen durch die Grundherrschaft aber nicht zufrieden. Sie plünderten - wie bereits erwähnt - die Meierhöfe des Stiftes, verjagten die herrschaftlichen Verwalter und drohten, das Kloster selbst zu stürmen. Dann versammelten sie sich aber nur in der Nacht im Teufelsgraben, verhöhnten den Abt und stießen „im Muthe der Trunkenheit“ die wildesten Drohungen aus, die sie letztlich aber nicht ausführten. Der Abt hatte schon 1516 von Kaiser Maximilian I. zwei Kanonen (eiserne Falkonetts) und zwölf Hakenbüchsen (Duplonen = Doppelhaken) zur Bewaffnung des Klosters erhalten. Er nahm nun 32 Söldner auf, die das Stift gemeinsam mit den Dienstleuten Tag und Nacht bewachen sollten.

Kanoniere, Detail vom Sgraffitoschmuck an der Fassadedes Zwettler Rathauses, 1549/50, Foto: Werner Fröhlich, Zwettl

Kanoniere, Detail vom Sgraffitoschmuck an der Fassade
des Zwettler Rathauses, 1549/50
Foto: Werner Fröhlich, Zwettl

Sofort nach dem Bekanntwerden des Aufruhrs im Raum Wiener Neustadt im Mai 1525 hatte die Regierung 200 bewaffnete Reiter aufgenommen. Wenig später verkündete der eilends einberufene Landtag das allgemeine Landesaufgebot und bewilligte 87.000 Gulden für die Aufnahme von Söldnern. Als Befehlshaber wurde Dietrich von Hartitsch bestellt, die Musterung fand in Retz und Korneuburg statt. Der Straffeldzug dauerte nur wenige Wochen. Eine Heeresabteilung marschierte nördlich, die andere südlich der Donau gegen Westen; sie stießen auf keinen nennenswerten Widerstand. Besonders im Waldviertel dürften die Aufstände der Bauern aber einige Verheerungen verursacht haben. Das Stift Zwettl musste angeblich - um den durch die Bauernunruhen entstandenen Schaden wieder gut zu machen - einen Hof im Kammern im Wert von 600 Gulden verkaufen.
Die rebellischen Untertanen kamen bei der militärischen Strafexpedition meist mit Geldstrafen davon, oft in Form der so genannten Brandschatzung: Dem Betroffenen wurde mit der Plünderung und mit dem Niederbrennen seines Gehöftes gedroht, wenn er nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einen festgesetzten Geldbetrag erlegte. Auf diese Weise verhinderte man den Einwand der Zahlungsunfähigkeit, der bei anderen Auflagen von vielen Untertanen vorgebracht wurde.
Am 5. Jänner 1526 fand in Zwettl eine Konferenz statt, bei der über Auftrag von Erzherzog Ferdinand I. Abt Erasmus Leisser, Landmarschall Georg von Puchheim, Sebastian von Hohenfeld und Dietrich von Hartitsch über die Höhe der Geldstrafen berieten, die den Rebellen auferlegt werden sollten. Hartitsch, als militärischer Befehlshaber, scheint bei den Brandschatzungen mit großer Härte vorgegangen zu sein, immerhin veranlasste sein Handeln Abt Erasmus Leisser zu einer Klage beim Landesfürsten. Zu Hinrichtungen dürfte es im ganzen Land - mit Ausnahme von Zwettl - nicht gekommen sein.
Als die Soldaten heranrückten, suchten die Anführer des Aufstands gegen die Herrschaft Stift Zwettl das Weite. Sie hielten sich auch noch verborgen, als 1526 die Kommission in Zwettl tagte, um die besonders Schuldigen mit schwerer Brandschatzung zu belegen. 1527, als sie vermutlich wähnten, die Gefahr sei vorbei und über die Affäre wäre Gras gewachsen, zeigten sie sich wieder. Sie wurden erkannt, möglicherweise verraten. Jedenfalls erteilte König Ferdinand I. am 14. Februars 1527 Abt Ersamus Leisser den Auftrag, jene neun Untertanen, welche am Aufstand von 1525 maßgeblich beteiligt gewesen waren, durch den klösterlichen Verwalter Johannes Genger gefangen nehmen zu lassen und dem Landgericht Zwettl in Eisen und Banden zur Aburteilung zu übergeben. Es waren das drei Bauern aus Rudmanns (Leopold Pinder, Haus Nr. 15; Jakob Doppelhofer, Haus Nr. 57 und Stephan Maurer, Haus Nr. 4), Wolfgang Faunder aus dem Oberhof, Peter Riedl und Georg Reuter aus Großhaslau sowie Wolfgang oder Georg Wagner aus Gerotten, Eisner aus Pötzles und Hermann aus Germanns. Das Gericht erkannte sechs von ihnen für schuldig und verurteilte sie zum Tod durch den Strang. Sie wurden an den Ästen eines Baumes an der Straße zwischen Stift und Stadt Zwettl, am Teufelsberg, nahe der Stelle, wo sie sich 1525 zusammengerottet hatten, gehenkt.

F. Moll, 03/04

Quellen:
Helmuth Feigl, Der niederösterreichische Bauernaufstand 1596/97. Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 22 (Wien 1987).

Johann von Frast, Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. Bd. 16. Das Decanat Groß-Grungs und das Stift Zwetl (Wien 1838) S 96-99.

Gottfried Edmund Friess, Der Aufstand der Bauern in Niederösterreich am Schlusse des XVI. Jahrhunderts (Wien 1897).

Karl Haselbach, Der niederösterreichische Bauernkrieg am Ende des sechzehnten Jahrhundertes, nach bisher unbenützten Urkunden (Wien 1867).

Gilbert Lipp, Die Geschichte des Klosters Zwettl. In: Hans Hakala/Walter Pongratz, Zwettl-NÖ II. Die Gemeinde (Zwettl 1982) S 559.

Günter Schneider, Die KG Rudmanns. In: Hans Hakala/Walter Pongratz, Zwettl-NÖ II. Die Gemeinde (Zwettl 1982) S 622.

Günter Schneider, Der niederösterreichische Bauernkrieg 1596/97 im Raum Zwettl (Stift Zwettl 1985).