Das internationale Projekt„Vielfalt in der Einheit – Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa“, bei dem die Stadtgemeinde Zwettl kooperiert, schreitet rasch voran und bringt bisher Unbekanntes zu Tage.
Grundsätzlich gingen die Landschaftspfleger DI Angelika Ruhland und DI Hansjörg Haslach vom Gebiet der historischen Umrittdarstellung aus. Bei ihren Forschungen stellten sie fest, dass dieses Gebiet um einen Radius von ca. 10 km erweitert werden muss, um interessante und historisch relevante Objekte im näheren Umfeld des Klosters erfassen zu können. Vom 15. bis 18. März 2018 durchstreiften die Landschaftspfleger die Region, um ihre Theorien und Forschungsergebnisse vor Ort zu bestätigten.
Doch bevor es ins Gelände ging, tauschten sich die Landschaftspfleger mit Stiftsarchivar Dr. Andreas Gamerith und Stadtarchivarin Elisabeth Moll aus und konnten in intensiven Gesprächen und tiefergehenden Recherchen Antworten auf einige noch offene Fragen finden.
So wollten die Landschaftspfleger herausfinden, ob das Kloster auch in der Stadt Zwettl Bauwerke, Herbergen oder Gasthöfe besaß. Dazu fand sich im Stadtarchiv Zwettl die Abschrift einer Urkunde aus dem Jahr 1320. Damals verlieh Rudolf von Liechtenstein das Haus auf dem Platz (heute Sparkassenplatz 3) dem Kloster Zwettl mit allen Bürgerrechten und auch dem Recht der Weinschank. Das Haus wurde zu einem Freihof. Die Besitzer waren also von allen Abgaben an die Stadt befreit, mussten aber in Notzeiten, ebenso wie andere Hausbesitzer, Wachdienst leisten und zur Erhaltung der Stadtmauer einen Beitrag leisten.
1736 verkaufte Abt Melchior Zaunagg den Freihof an Johann Adam Carl, Bürger des Inneren Rates der Stadt Zwettl und Tuchmacher. Da das Haus durch diesen Verkauf bürgerlich wurde, war es nicht mehr von den Abgaben an die Stadt Zwettl befreit, und musste von nun an jährlich 3 Kreuzer Grunddienst entrichten.
Auch ein Haus am Neuen Markt (heute Neuer Markt 7) gehörte ab 1457 dem Kloster Stift Zwettl. Hier war eine Fleischerei untergebracht, die jährlich 32 Pfennige Grunddienst an der Kloster zu leisten hatte. Dass sich das Haus Allentsteigerstraße 1 früher in Stiftsbesitz befand und als Stiftstaverne diente, ist seit längerem bekannt.

Ein großes Thema in der Forschungsarbeit von Frau Ruhland und Herrn Haslach waren Prozessionen und Wallfahrtswege. Hier fanden sich Belege, dass die Zwettler mindestens drei Mal jährlich eine Prozession nach Stift Zwettl unternahmen. Dazu fanden sich Dias aus den 1960er Jahren im Stadtarchiv. Wahrscheinlich führte sie der Weg am Panaglkreuz vorbei zum Bildstock der vier Evangelisten und zur Marienstatue beim „Regenschirm“. Diesen alten Prozessionsweg versuchten die Landschaftspfleger im Gelände ebenso nachzuweisen, wie den Wallfahrtsweg nach Siebenlinden, den die Zwettler jährlich beschritten. Die Ergebnisse der Forschungen werden in einem Bericht zusammengeführt.
Kulturinteressierte können sich ab Juni 2018 auf eine Wanderausstellung mit vielen neuen Erkenntnissen und unterhaltsame Wanderungen auf alten Pfaden zu den ehemaligen Stiftsgrangien freuen.