In dem Ende Juni 2015 erschienenen Heft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ (Nr. 2/2015) findet sich ein hoch interessanter Beitrag zur Zwettler Frühgeschichte: Herwig Weigl, Zwettl und Zwettl, oder: Eine Verunklärung der Geschichte von Zisterze und Stadt im 13. Jahrhundert.
Dr. Herwig Weigl, Wissenschaftler am Institut für Österreichische Geschichtsforschung der Universität Wien, stellt hier Überlegungen zum Verhältnis zwischen Stift und Stadt Zwettl im 13. Jahrhundert an. Anlass für diese Arbeit war eine in Vorbereitung befindliche Publikation über die Zwettler Stadtmauer.
Die wichtigste Quelle, in der Hinweise auf den Beginn der Ummauerung von Zwettl zu finden sind, ist ohne Zweifel die sogenannte Bärenhaut, das Stifter- oder Stiftungen-Buch des Klosters Zwettl. Weigl analysiert die Aussagen, die der Schreiber dieser Prunkhandschrift, die im frühen 14. Jahrhundert entstanden ist, zur Entwicklung der Stadt Zwettl, besonders aber zur Errichtung der Stadtmauer macht und hinterfragt ihre Stichhaltigkeit und Plausibilität. Reklamierte doch der Schreiber der „Bärenhaut“ in seinem Text Besitzansprüche des Klosters an die Stadt und versuchte diese immer wieder zu untermauern und zu bekräftigen, was manche seiner Aussagen bei kritischer Betrachtung fragwürdig erscheinen lässt.
Weigl zieht überdies zahlreiche andere zeitgenössische Quellen zu Rate, um die Stellung von Stadt und Stift Zwettl auch von anderer Seite zu beleuchten und geht auf deren bisher gängige Interpretation ein. Er vergleicht weiters die bauliche Entwicklung und Stadtwerdung anderer Siedlungen mit der in der „Bärenhaut“ zu findenden Darstellung der Zwettler Situation und zieht daraus interessante Schlüsse.
Der Beitrag ist eine ungemein scharfsinnige Analyse des Verhältnisses zwischen Stadt und Stift Zwettl auf Grund der mittelalterlichen Quellen. Er bringt neue Erkenntnisse und Denkanstöße und ist somit ein bedeutender Gewinn, nicht nur für die lokale Zwettler Geschichte.
Äußerst lesenswert!
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