Brief des Josef EinfaltDas Stadtarchiv Zwettl besitzt in seiner Musikaliensammlung (Karton 224) ein Schriftstück des Zwettler Gastwirtes und Komponisten Josef Einfalt vom 7. Juni 1920. In diesem Brief an eine uns unbekannte, vermutlich junge Dame aus Eggenburg, ersucht Einfalt diese zunächst, ihm Kassenscheine zuzuschicken, die damals bereits in einer dritten Auflage erschienen waren. Dabei handelte es sich um Notgeld, vermutlich herausgegeben von der Stadtgemeinde Eggenburg. Wegen des Mangels an Kleingeld, Münzen waren durch die kriegsbedingte Metallknappheit rar geworden, begannen mehrere Städte in Österreich bereits im Sommer 1919 Notgeld zu drucken. 1920 gaben bereits zahlreiche Orte und Institutionen im Land eigene kleine Banknoten heraus, auch Zwettl gehörte dazu. Das Notgeld verlor mit 21. Oktober 1921 seine Gültigkeit. Es war aber ein begehrtes Sammelobjekt, wohl auch für Josef Einfalt.
Als Dank übersandte Einfalt seiner Briefpartnerin eine seiner neuesten Kompositionen, möglicherweise die Gavotte „Im Feenreich“. Außerdem teilte er ihr mit, dass er bereits bei Carl Michael Ziehrer gewesen sei, um ihm einige seiner Kompositionen vorzuspielen. Ziehrer sei von seinen Werken sehr angetan gewesen und habe ihm „herrliche Anerkennung“ gezollt. Seit dieser Zeit stehe er in Briefkontakt zu dem berühmten Komponisten. In Zwettl werde eben seine Gavotte „Im Feenreich“ als Kinderballett einstudiert und mehrere Stücke von ihm würden täglich im Grabencafe in Wien gespielt. Leider hindere ihn die momentane Papierknappheit daran, weitere Werke zu veröffentlichen.
Josef Einfalt wurde am 8. März 1887 in Zwettl geboren. Er entstammte einer alteingesessenen Fleischhauer- und Gastwirtsfamilie. Mehrere seiner Verwandten waren bedeutende Musiker und auch Komponisten gewesen. Im Mai 1914 übernahm Josef Einfalt von seinem Vater das Gasthaus Hamerlingstraße 2. Wenig später musste er aber einrücken, geriet in russische Kriegsgefangenschaft, konnte sich dort allerdings als Musiklehrer für russische Kinder etwas Geld verdienen. Seit seiner Kindheit war er eng mit der Musik verbunden, bereits 1907 hatte er seinen ersten Walzer komponiert. Lange Zeit stand er, wie auch obigem Brief zu entnehmen ist, in Kontakt zu Carl Michael Ziehrer. Einfalt komponierte unter anderem über 450 Lieder, 33 Walzer sowie zahlreiche Märsche. Er starb am 7. Mai 1973 in Zwettl im Alter von 86 Jahren.
Quelle zu Josef Einfalt: Peter Erhart, Musik im Waldviertel. Beiträge zur Musikpflege in Zwettl. Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes Band 55/3 (Horn-Waidhofen/Thaya 2018) S 204.