
Rudmanns, Ziegelofen der Stadt Zwettl, ca. 1960
Der letzte Ziegelofen in der Region
Bis ins 20. Jahrhundert gab es auf dem Land zahlreiche kleine Ziegelproduzenten mit Feld- und Kammeröfen, in Rudmanns waren sogar mehrere davon zu finden. Beim sogenannten Traunerhäusl betrieb seit mindestens 1653 bis ca. 1880 das Stift Zwettl einen Ziegelofen. Hier wurden die meisten Ziegel für die barocken Zu- und Umbauten des Klosters gebrannt. Weiters betrieben die Besitzer der Häuser Nummer 21 und 82 ebenfalls kleine Ziegelöfen. Auf Parzelle 123 und 124 in Rudmanns war von 1872 bis wahrscheinlich 1956 der städtische Ziegelofen in Betrieb.
Nachdem die Stadt ihren Ziegelofen in Moidrams 1868 versteigert hatte, bemühte sich die Zwettler Gemeindeverwaltung, möglichst im Nahbereich der Stadt lehmführende Grundstücke zu pachten oder zu kaufen, um weiterhin Ziegel produzieren zu können. 1872 pachtete man von Josef und Johanna Renk Teile der Grundparzellen Nr. 123 und 124 im Zwettlerfeld nahe dem Hinterweg in Rudmanns und eine weitere von Franz Flach. Hier wurde ein Ziegelofen mit den erforderlichen Nebengebäuden errichtet. Fast zehn Jahre später erwarb die Stadt ein weiteres Grundstück nahe des Ziegelofens, wo sich eine Lehmschicht mit einer Stärke von 1 1/2 Klafter befand (1 Wiener Klafter = 1,896 m). Noch im selben Jahr wurde der Ziegelstadel neu errichtet.
1895 wurde die Anlage mit einem zweikammrigen Ziegelofen mit Kohlenwassergasfeuerung ausgestattet und ein weiteres Grundstück für die Lehmgewinnung angekauft. Anfang der 1930er Jahre und schließlich 1938/39 erlebte der Zwettler Ziegelofen vorübergehend einen Produktionsschub, zuletzt vor allem wegen der Bauten, die von den neuen Machthabern unter anderem im Zuge der Anlage des Truppen-übungsplatzes errichtet wurden. Ab Mitte der 1950er Jahre erschien der Ziegelofen unrentabel und die Stadtverwaltung überlegte den Verkauf. Einige Gemeinderäte warnten vor übereilten Schritten, und so schob man die Entscheidung noch hinaus. Die Ziegelproduktion dürfte aber zumindest drastisch reduziert worden sein. Am 5. Oktober 1962 beschloss der Gemeinderat schließlich den Verkauf des Ziegelofens samt den dazugehörigen Gebäuden und Grundstücken an den Zwettler Baumeister Ing. Rudolf Slatner, der hier ein Lager an Baumaterialien und Maschinen anlegte. Damit hatte der letzte Ziegelofen im Raum Zwettl zu bestehen aufgehört.