Thema des Monats August

Veröffentlichungsdatum01.08.2025Lesedauer2 Minuten
Eine Gruppe von Männern, die auf einem Holzstapel sitzen

Korbflechterschule Zwettl, links im Bild Werkmeister Thomas Kozmoud

Die Korbflechterschule in Zwettl

Auf Initiative von Bezirkshauptmann Alexander Sauer-Csaky von Nordendorf wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Zwettl eine Korbflechterschule eingerichtet. Er hatte erkannt, dass die Waldviertler Hauswebereien wegen der aufkommenden starken industriellen Konkurrenz in einer tiefen Krise steckte. Als gangbarer Weg aus diesem wirtschaftlichen Dilemma erschien dem Bezirkshauptmann die Umstellung der bäuerlichen Hausindustrie von der Textil- auf die Korbwarenerzeugung.

Die Zwettler Korbflechterschule wurde in den Gebäuden der ehemaligen Propstei untergebracht, welche die Sparkasse 1882 erworben hatte. Zwischen 1885 und 1905 wurden hier bis zu 15 Lehrlinge pro Kurs von Thomas Kozmoud in der Kunst des Korbflechtens unterrichtet. In seinem Abschlussbericht hielt das Komitee der Korbflechtschule Zwettl fest, dass „jede Aussicht geschwunden“ sie, dass mit Hilfe der Schule „sich in und um Zwettl eine lebenskräftige Korbflechterei-Hausindustrie entwickle. Daher wurde die Schule nach zwanzigjähriger Tätigkeit am 16. August 1905 geschlossen.

Eine Gruppe von Männern, die auf einem Feld stehen, mit einem Mann, der auf einer Bank sitztDrei Männer vor einer Korbweidenplantage, links, sitzend vermutlich der Zwettler Korbflechter Thomas KozmoudDer seit ihrer Gründung an der Spitze der Schule stehende Werkmeister Thomas Kozmoud erhielt eine Abfertigung von 1.000 Kronen und übernahm damit die Verpflichtung, den einzigen, noch nicht ausgelernten Lehrling der Schule in seinem Gewerbebetrieb die restliche Lehrzeit verbringen und ihn danach freisprechen zu lassen. Der Kassenrest von 2.296 Kronen und 72 Heller wurde vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht der Stadtgemeinde Zwettl mit der Auflage überlassen, dass dies „ausschließlich zur Unterstützung von hausindustriellen Korbflechtern in Zwettl und Umgebung behufs Anschaffung von Werkzeugen, Mustern, Modellen, Materiale etc. zu verwenden“ sei. Das Inventar der Schule wurde an die gewerbliche Fortbildungsschule in Zwettl übergeben bzw. Werkmeister Kozmoud überlassen. Die fertigen Baumschutzkörbe, Weiden und Stangen kaufte der Bezirksarmenrat Zwettl an. Die Armenpfründner sollten die Anfertigung von Baumschutzkörben fortsetzen.

Bezirkshauptmann Franz Breitfelder übermittelte die Akten, Rechnungen sowie Protokolle der Zwettler Korbflechtschule nach ihrer Auflassung an die Stadtgemeinde Zwettl, wo die Unterlagen bis heute im Karton 152 im Stadtarchiv Zwettl aufbewahrt werden.