Thema des Monats Februar 2021

Veröffentlichungsdatum01.02.2021Lesedauer4 Minuten
Baracken

Die Baracken an der Gartenstraße, nach 1945

Vor 70 Jahren war die Situation der Krankenversorgung für Zwettl und Umgebung äußerst unbefriedigend. Das allgemeine öffentliche Krankenhaus der Stadt, an der Gartenstraße gelegen, dort wo sich heute das Stadtamt und die Caritas-Werkstätte befinden, bestand seit 1872. Das Haus war durch mehrere Zubauten im Laufe der Jahre aus dem ehemaligen Siechenhaus entstanden, in dem einst verarmte Menschen unterkommen konnten. Es gab im Zwettler Spital im Jahr 1951 etwa 60 Krankenbetten. In den Kriegsjahren hatte man vor dem Krankenhaus entlang der Gartenstraße, dort wo sich heute das Musikerheim „Goldstück“ befindet, zwei Holzbaracken errichtet, die etwa 60 Betten fassten. Nach dem Krieg waren die Baracken schadhaft und konnten kaum mehr repariert werden. Ohne sie war der Krankenhausbetrieb aber unmöglich, da meist über 100 Betten belegt waren, im Haus aber nur etwas mehr die Hälfte davon zur Verfügung standen. Ein Zubau zum Krankenhaus war also zwingend notwendig. Bereits im Oktober 1947 hatte die Stadtgemeinde Zwettl die Landesregierung auf die unhaltbaren Zustände hingewiesen. In seiner Sitzung am 1. Februar 1951 fasste dann der Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Hermann Feucht einstimmig folgende Entschließung, die vom Krankenhausauschuss unter dessen Obmann Karl Almeder eingebracht worden war und an die Landesregierung, die Landtagsabgeordneten und alle Fraktionen übermittelt werden sollte: 

Die Stadtgemeinde Zwettl hat oft genug unter Beweis gestellt, dass sie nicht nur für das Wohl der eigenen Einwohner bedacht ist, sondern darüber hinaus sich verpflichtet fühlt, notfalls für das Wohl der Bewohner der näheren und weiteren Umgebung einzutreten. Bereits im Jahre1872 hat aus diesen Gedankengängen heraus die Stadtgemeinde Zwettl ein Krankenhaus errichtet und auch in den schwierigsten Zeiten weitergeführt, vergrössert und modernisiert. Nunmehr steht der Gemeinderat der Stadt Zwettl vor der Tatsache, dass die bestehenden Baracken, die in keiner Weise den hygienischen und sanitären Anforderungen entsprechen, baulich in einem derartigen Zustand sind, dass sie unbedingt durch feste Bauten ersetzt werden müssen. Der Ausfall der dort untergebrachten 6o Betten würde für das Einzugsgebiet unseres Krankenhauses von ungeheurem Schaden sein, denn abgesehen von den Nachteilen einer Einschränkung des Krankenhausbetriebes ist zu bedenken, dass die anfallenden Kranken nicht mehr untergebracht werden könnten. Wer auch immer der Ansicht wäre, dass diese Kranken in ein anderes Spital einzuliefern wären, mag bedenken, dass sich dies im Winter bei unseren starken Schneeverwehungen nicht durchführen lässt, da oft meterhoher Schnee die Straßen unpassierbar macht und dass das Krankenhaus Zwettl die einzige lebensrettende Station für einen grossen Umkreis darstellt. Das Einzugsgebiet des Krankenhauses Zwettl, das im wesentlichen 3 Gerichtsbezirke umfasst, erstreckt sich vor allem auch auf jene abgelegenen Gebiete an der oberösterreichischen Grenze, für die das Krankenhaus Zwettl trotz einer Entfernung von fast 5o km (z.B. Bärnkopf) noch immer das nächst gelegene Spital darstellt. Wir wollen keine Bettenvermehrung, sondern lediglich das Spital in einen ordnungsgemässen Zustand bringen.

BaustelleBauarbeiten zur Krankenhauserweiterung, 1951Da der Landtag seinerzeit den Beschluss gefasst hat, die nötigen Mittel für den Ausbau des Krankenhauses Zwettl beizustellen, bittet der Gemeinderat der Stadt Zwettl die hohe n. ö. Landesregierung, für den Ausbau im Jahre 1951 einen grösseren Betrag beizusteuern. Die Staatgemeinde hat im letzten Jahr – vor allen durch den notwendigen Bau der Wasserleitung – ihre letzten finanziellen Reserven ausschöpfen müssen; sie wird aber auch für den Krankenhauszubau nach besten Kräften beisteuern, vor allem durch Materialleistungen und Beistellung von Arbeitskräften. Die Stadtgemeinde Zwettl hat verhältnismässig selten die n. ö. Landesregierung um besondere Hilfen gebeten, obwohl gerade das Waldviertel eines der kärgsten Gebiete-Niederösterreichs ist; umsomehr hofft sie für diesen Fall auf die wohlwollende Unterstützung der hohen n.ö. Landesregierung. 

Tatsächlich erhielt die Gemeinde noch im selben Jahr von der Landesregierung rund 160.000,-- Schilling als Zuschuss für den Krankenhauszubau. Eine Sammlung unter den Bewohnern der Stadt Zwettl erbrachte 43.881,70 Schilling und in 63 Gemeinden 126.442,30 Schilling. Die Kosten für den Rohbau, der noch 1951 fertiggestellt werden musste, da sonst der Landeszuschuss verfallen wäre, beliefen sich auf rund 1 Million Schilling. In zwei Etappen, 1951 und 1956, gelang es der Gemeinde das Krankenhaus zu erweitern. Trotzdem erwies sich das Haus im Laufe der Jahre als zu klein, neuerliche Erweiterungen waren wegen der beengten Lage am Kampufer unmöglich, so wurde am 23. April 1979 das neuerbaute Krankenhaus bei der Propstei, heute Landesklinikum, eröffnet.

Quelle: https://www.zwettl.gv.at/system/web/sitzungsprotokoll.aspx?detailonr=226113016&menuonr=218224798