Thema des Monats Jänner 2025

Veröffentlichungsdatum13.01.2025Lesedauer3 Minuten
Luftaufnahme des Zwettler Bürgerspitals

Große und kleine Schenkungen

Aus unbekannten Umständen blieb eine Beschreibung des Zwettler Bürgerspitals und der dortigen Versorgung der Alten aus dem Jahr 1766 im Stadtarchiv Krems erhalten. Der Kremser Archivar Daniel Haberler-Maier schenkte dieses Schriftstück dankenswerterweise dem Stadtarchiv Zwettl.

Gründung des Bürgerspitals Zwettl

Hospitäler waren ursprünglich Einrichtungen zur Betreuung von Pilgern und Kranken (hospitium = Gastfreundschaft) und waren Teil der Aufgaben von Klöstern. Das Aufblühen der Städte im 13. und 14. Jahrhundert führte zur Errichtung von Bürgerspitälern, welche hauptsächlich die Versorgung von alten, arbeitsunfähigen Bürgerinnen und Bürgern übernahmen.

Das Zwettler Bürgerspital wurde schon vor 1295 gegründet und zählt somit im Vergleich zu anderen Städten Niederösterreichs zu den früheren Gründungen. Das Wiener Bürgerspital beispielsweise wurde 1257 gegründet, jenes von Klosterneuburg 1283 und das von Ybbs 1287. Etwa zeitgleich mit jenem in Zwettl entstanden die Bürgerspitäler in Krems und Laa/ Thaya.

Die Versorgung der Alten

UrkundeDokument von 1766Für die Altenversorgung standen in Zwettl neben dem Bürgerspital das Siechenhaus und das Haarhaus zur Verfügung. Das Siechenhaus – erstmals 1564 in einem Testament genannt – lag außerhalb der Stadtmauer in der Nähe des Unteren Tors und diente in erster Linie der Versorgung verarmter Nichtbürger. Die Haarstube wurde 1707 ebenfalls außerhalb der Stadtmauer – am heutigen Hammerweg, dort, wo heute die HAK steht – errichtet. Ursprünglich diente dieses Gebäude dem Flachsdörren, es fanden aber auch mittellose Menschen darin Unterschlupf.

In den Zwettler Ratsprotokollen wird eine Hierarchie in der Armenversorgung sichtbar. Die Haarstube war die unterste Stufe. Das Siechenhaus diente als Ausweichmöglichkeit auf Zeit, wenn das Bürgerspital voll besetzt war. Dies kam öfters vor, denn das Zwettler Bürgerspital hatte eine sehr bescheidene Aufnahmekapazität. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts kann von 10 Spitalsplätzen ausgegangen werden, in der Zeit davor werden es wohl kaum mehr gewesen sein. Erst nach Umbauten im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts war es möglich, an die 30 Menschen im Zwettler Bürgerspital aufzunehmen.

In jenem Dokument von 1766 werden die Besitzungen des Zwettler Bürgerspitals angeführt, das einerseits über 4292 Gulden verfügte, „wovon 2000 Gulden bey gemeiner Stadt Zwettl perpetuirlich … anligend“, also nicht frei verfügbar waren. Anderseits gehörte einiger Grundbesitz dem Zwettler Bürgerspital, unter anderem Äcker am Weißen- und am Galgenberg, sowie in Geschwendt und im Oberen Stadtfeld. Auch einen Weingarten in Lengenfeld nannte das Zwettler Bürgerspital sein Eigen. Der Zehent in Frankenreith, der 1446 erworben worden war, lieferte 1766 „beyläuffig“ einen jährlichen Ertrag „bey 30 Metzen Korn und 20 Metzen Hafer“. (Ein Metzen fasste knapp über 80 Liter.) Der umfangreiche Grundbesitz war Großteils verpachtet, wurde teilweise auch selbst bewirtschaftet und warf einigen Gewinn ab, der auch den Spitalern zugutekam. 

Verpflichtungen der Insassen

Die Verhaltensregeln im Bürgerspital waren streng, ähnlich denen eines Klosters. Jeder Spitaler – auch Pfründner genannt – wurde zur Einhaltung von religiösen Pflichten angehalten, was auch das Dokument von 1766 belegt. Der Verfasser hielt darin fest, dass sämtliche „Spittäller, und Anwartter tägl. des gantze Jahr hin durch frühe morgens einen Rosenkranz für die Stifter, Zehn Vatter Unser, und sovill Englische gruß für die arme Seelen“ beten mussten. Für den hl. Martin als Patron des Spitals und den höchsten Landesfürsten folgen zwei Ave Maria. Mittags hatten die Pfündner den „Tisch Rosenkranz zu Ehren der allerheilligsten Dreyfaltigkeit, das Salve Regina, nebst 3 Pater et Ave zu Ehren der unbefleckten Empfängnis Maria“ zu sprechen. Am Abend folgten ein „Rosenkranz für die arme Seellen, nebst der Lauretanischen Litaney“. Für ihre Gebete erhielten die „Spitall-Pfründtner, Männ. und weibl. geschlechts, und zwar jedem derenselben an geld“ einen Gulden 43 Kreuzer, weiters einige Naturalien. Leider wurde in dem Dokument nicht vermerkt, in welchen Zeitabständen diese Auszahlungen erfolgten.

Mit den Gebeten sollte auf ewig der frommen Stifterinnen und Stifter gedacht werden, die mit Geldgeschenken oder gestiftetem Grundbesitz die wirtschaftliche Basis für das Zwettler Bürgerspital gelegt hatten.