
Zwei Rotarmisten mit Auto in Zwettl, Schulgasse
Am 8. Mai 1945 kapitulierte NS-Deutschland, womit auch in Österreich nach sieben Jahren nationalsozialistischer Herrschaft der Zweite Weltkrieg offiziell endete. Am 9. Mai kam um 14.00 Uhr ein Jeep mit einer Vorhut russischer Soldaten über die Kremser Straße nach Zwettl. Um 17.00 Uhr rückten dann weitere Soldaten der siegreichen Roten Armee in die Stadt ein. Damit war auch hier der Krieg endgültig vorbei.
Das Ende des Krieges bedeutete jedoch nicht das Ende der Gewalt. Die Lage war chaotisch in Zwettl, das einem Durchhaus glich. Flüchtlinge und Vertriebene versuchten, in ihre Herkunftsländer zurückzukehren, während Verbände der Wehrmacht Richtung Westen zogen, um in US-amerikanische und nicht in sowjetische Gefangenschaft zu gelangen. Auch „Fahnenflüchtige“, einfache Soldaten, die teils aus der Region stammten und nicht mehr zur Truppe zurückkehren wollten, suchten hier Zuflucht. Nur wenige hatten Glück und entkamen den „fliegenden militärischen Standgerichten“.
Zwei Rotarmisten (Soldaten der Roten Armee) mit zwei FrauenLaut Berichten der Bezirkshauptmannschaft Zwettl durchquerten zu Kriegsende eine bis eineinhalb Million Menschen den Bezirk Zwettl. Mehrere Zehntausende, unter ihnen Flüchtlinge, Vertriebene, ehemalige Zwangsarbeiter, ehemalige Kriegsgefangene sowie rund 60.000 Rotarmisten, mussten zumindest kurzzeitig in der Stadt Zwettl mit ihren rund 4.000 Einwohnern versorgt werden.
Die sowjetische Besatzungsmacht brachte für große Teile der Bevölkerung unsägliches Leid, Angst und Not. Die Truppen der Roten Armee sahen sich wohl mehr als Sieger im Feindesland, denn als Befreier. Unterernährung, Wohnungsnot, Plünderungen und Übergriffe waren allgegenwärtig. Erst gegen Ende des Jahres 1945 beruhigte sich die Lage etwas.