Am 22. Februar 1617 wurden in Zwettl im Rahmen des alljährlichen Raittages (Raittung = Rechnung, Abrechnung, an diesem Tag wurden Ausgaben und Einnahmen des Stadt abgerechnet) die Stadtämter neu vergeben.
Um die innere Verwaltung der Stadt effizient zu organisieren, aber auch um möglichst große Teile der Bürgerschaft in obrigkeitliche Entscheidungen einzubinden, entstanden bereits im Mittelalter in den Städten verschiedene Stadtämter mit vielfältigen Aufgaben und unterschiedlicher Gewichtung. Diese Ämter waren großteils unbezahlt, sie konnten sowohl von Ratsbürgern als auch von„einfachen” Bürgern ausgeübt werden. Viele dieser Ämter wurden kollegial besetzt, wofür sowohl der mit dem Amt verbundene Arbeits- und Zeitaufwand als auch die angestrebte gegenseitige Kontrolle Ursache gewesen sein können. Die Vergabe der Ämter war ausschließlich Angelegenheit der Bürger, der Stadtherr mischte sich dabei nicht ein. Ob bei der Auswahl der Kandidaten für ein bestimmtes Amt besondere Qualifikationen ausschlaggebend waren, lässt sich nicht dezidiert sagen, ist aber wohl anzunehmen. Da auch ein gewisser cursus honorum festzustellen ist – junge Bürger begannen meist mit einem sozial nieder rangierenden Amt und stiegen dann zu verantwortungsvolleren Tätigkeiten auf – gab man den Amtsinhabern die Chance, Erfahrungen zu sammeln und an der Aufgabe zu reifen. Wie aber einzelne Konflikte und Beschwerden erkennen lassen, kam es gelegentlich auch zu Fehlbesetzungen.
Die Zahl der Stadtämter und deren Aufgabenbereiche wurden natürlich immer wieder den aktuellen Anforderungen angepasst. Nur wenige blieben während der gesamten Frühen Neuzeit bestehen, wie etwa das Amt des Kämmerers, Spitalmeisters oder Brauherren. Manche Ämter wurden im Laufe der Zeit gegen vereinbarte Beträge verpachtet und sanken so zu „Gefällen” ab, also zu mehr oder weniger regelmäßigen Einnahmeposten für das Kammeramt.
Die Ämter wurden in Zwettl meist beim Nachtaiding im Mai oder auch anlässlich des Raittages im Anschluss an die Rechnungslegung der Amtsinhaber neu vergeben. Diesen Raittag hielt man im 17. und 18. Jahrhundert meist in den Monaten Februar bis April ab, mitunter aber auch erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt.*
Am 22. Februar 1617 wurden folgende Personen mit Stadtämtern betraut:
- Georg Parsch wurde Stadtkämmerer. Er hatte dieses wichtige Amt, das die Stadtfinanzen betraf, schon 1608 sowie von 1612 bis 1616 inne gehabt.
- Benedict Khöpl, Thomas Reitperger und Veith Ratanner wählte man zu Breuherrn, sie waren somit für das städtische Brau- und Schnakhaus zuständig.
- Zum Paumaister bestellte man Andre Khöpl, er hatte außerdem die herrschaftliche Waage zu betreuen.
- Kastenherrn wurden Hanß Stockh, Georg Simhändl, Caspar Bindter, Thomas Pöltinre und Anthoni Pruner, ihnen unterstand die Verwaltung des städtischen Körnerkastens.
- Zu Spitallherrn wählte man Michael Kholler und Wilhalm Hämel, sie hatten sich um das Bürgerspital zu kümmern.
- Salzkämmerer wurden Andre Winckhler und Valthin Apfelthaller. Sie waren für die Beschaffung und den Verkauf des Salzes zuständig.
- Als Ungelter in der Stadt amtierte nun Benedict Khöpl, er hatte die auf Wein und Bier haftenden Abgaben einzuheben.
Quelle: Stadtarchiv Zwettl, Ratsprotokoll 08, Sign. 2-6, fol. 129v.
Dazu siehe auch: Die Zwettler Ratsprotokolle
* Nach: Friedel Moll, Martin Scheutz und Herwig Weigl (Hg.), Leben und Regulieren in einer kleinen Stadt. Drei Beiträge zur Kommunikation, Fürsorge und Brandgefahr im frühneuzeitlichen Zwettl, NÖ. = Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich, Band 32, St. Pölten 2007.