Objekt des Monats Juli 2018

Veröffentlichungsdatum01.07.2018Lesedauer2 Minuten

Marbach, kolorierte Lithographie, 1838

Marbach BA-03-E-010-1838 DarnautZwischen 1819 und 1840 brachten der Geistliche Vincenz Pius Darnaut (1770-1821), der Historiker Aloys Edler von Bergenstamm (eigentlich Alois Groppenberger, 1754-1821) und der Direktor der Stiftsschule Klosterneuburg Aloys Schützenberger (1792-1840) ein umfangreiches Werk zur Geschichte der Pfarren und Kirchen im Erzherzogtum Österreich heraus: die Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. Ursprünglich sollten in diesem Werk die Länder Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und Wien behandelt werden. Letztlich erschienen 18 Bände, die Niederösterreich (mit Wien), Teile Salzburgs und Oberösterreichs betreffen. Sie sind vorwiegend nach Dekanaten gegliedert Jedem der Bände wurden ein bis zwei Ortsansichten sowie meist auch eine Dekanatskarte beigebunden. Insgesamt sind 32 Bilder und 15 Karten erhalten, wobei die Bilder von Ausgabe zu Ausgabe unterschiedlich sind. Außerdem erschien zu jedem Band eine größere Anzahl von weiteren Ansichten, die schwarz-weiß oder koloriert beim Verlag bestellt werden konnten. Diese Bilder wurden in zwei unterschiedlichen Qualitäten angeboten, in einer „wohlfeilen“ und einer „Luxusausgabe“. Insgesamt konnten 531 verschiedene Abbildungen nachgewiesen werden.
Der letzte Niederösterreich betreffende Band (Band 13) wurde von dem bedeutenden Historiker und Archivar, dem Stift Zwettler Zisterzienser Johann von Frast (1786-1850) verfasst. Er erschien 1838. Er trägt den Titel: Historisch und topographische Darstellung von Groß-Gerungs und Stift Zwetl und Umgegend; mit besonderer Rücksicht auf Pfarren, Stifte, Klöster, milde Stiftungen und Denkmähler.
Im Jahr 2003 erschien im Wiener Archiv Verlag ein originalgetreuer Nachdruck dieses umfangreichen Werkes, initiiert von der NÖ Landesbibliothek und gefördert von der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich.
Wie bei den meisten Abbildung dieser umfangreichen Publikation ist auch für das Marbach-Bild der Verfasser unbekannt. Das Bild gewährt einen Blick auf den Ort von Süden, im Zentrum steht die dem hl. Jacobus d. Ä. geweihte Pfarrkirche mit ihrem hohen Turm. Rechts dahinter, am Waldrand, der Pfarrhof. Im Vordergrund sieht man, wie bei den meisten Abbildungen der Kirchlichen Topographie, einige Personen bei der Feldarbeit. Rechts hinter der Kirche, am Horizont, auf einem Hügel, erscheint ein turmartiges, von einem Ziegeldach gekröntes Bauwerk. Dabei handelt es sich um das sogenannte „Tarockhäuschen“, ein von Pfarrer Leopold Tausendpfund (1762-1798) auf einer rätselhaften Ruinenanlage, dem „Steinhügel“ errichtetes Gebäude.
1838 hatte Marbach 200 Einwohner. 1870 zählte der Ort bereits 55 Häuser und 302 Einwohner, im Jahr 1900 dann 56 Häuser und 329 Einwohner. 1850, mit Auflösung des patrimonialen Systems und Gründung der neuen Gemeinden, bestand in Marbach der Wunsch, sich mit Zwettl zu einer Gemeinde zusammenzuschließen, was damals aber nicht möglich war, da kleine Gemeinden gegründet werden sollten. Zur Gemeinde Marbach am Walde gehörten ab 1850 die Orte Annatsberg, Hörweix, Merzenstein, Rottenbach und Uttissenbach. Seit der Gemeindezusammenlegung von 1970 ist die ehemalige Gemeinde Marbach am Walde ein Teil der Stadtgemeinde Zwettl-NÖ.

Quellen: Stadtarchiv Zwettl, BA-03-E-010, Marbach.
Johann Frast, Historische und topographische Darstellung von Groß-Gerungs und Zwettl (1838).
Verein für Landeskunde von Niederösterreich (Hg.), Topographie von Niederösterreich, Band 6 (1903).