Nach dem Ersten Weltkrieg fehlte es überall an Rohstoffen, besonders Buntmetalle waren knapp. Wegen dieses Metallmangels gab es auch kaum Kleingeld. Daher wurden 1920 Länder, Gemeinden und sogar Private befugt, Notgeldscheine in Umlauf zu bringen. Die Gültigkeit dieser Papiere endete in der Regel mit 31. Dezember 1920.
In seiner Sitzung vom 19. März 1920, Punkt IV. 1. der Tagesordnung, beschloss der Zwettler Gemeinderat einstimmig über Antrag des Finanzausschusses, für die eigene Gemeinde Notgeld in der Höhe von 30.000 Kronen herauszugeben, und zwar 4.000 Kronen in 10 Heller Scheinen, 16.000 Kronen á 20 Heller und 10.000 Kronen á 50 Heller. Diese Notgeldscheine sollten bis 30. November 1920 gültig sein. Die Entwürfe für diese Banknoten stammten von Bürgermeister Kais.-Rat Franz Beydi.
Der Gemeinderat beschloss weiters, dass die Stadtgemeinde Zwettl mit ihrem ganzen beweglichen und unbeweglichen Vermögen dafür haften werde, dass diese Scheine in gesetzliches Bargeld umgetauscht werden könnten. Dem Bürgermeister Beydi stattete der Gemeinderat ausdrücklich seinen besonderen Dank für die geschmackvollen Entwürfe ab.
Im Gebiet der heutigen Stadtgemeinde Zwettl-NÖ gab damals auch die Gemeinde Gerotten-Pötzles Notgeld heraus, und zwar 10, 20, 30 und 50 Heller-Scheine. Viele der Notgeldscheine, die 1920 in Österreich Bundesländer, Gemeinden und auch private Institutionen herausgaben, wurden nie eingelöst. Sie waren bereits damals begehrte Sammelobjekte und sind es bis heute geblieben.
© Stadtarchiv Zwettl