Durch den verheerenden Stadtbrand vom August 1814, der 58 Häuser an der heutigen Hamerlingstraße und am Hauptplatz schwer beschädigte, wurde auch das Rathaus massiv in Mitleidenschaft gezogen. Das Haus selbst konnte man in der Folgezeit zwar wieder benutzbar machen, das Dach des Rathausturmes harrte aber anscheinend bis 1820 auf seine Sanierung. Offensichtlich reichten die finanziellen Mittel der Gemeinde dafür nicht aus.
Endlich, in der ersten Jahreshälfte 1820, ging die Stadtverwaltung an die Sanierung des Turmes. Man bat die Bürger um Unterstützung und rief sie auf, der Gemeinde zur Wiederherstellung des Rathausturmes zinsenlose Darlehen zu gewähren. Die Stadtverwaltung ließ dazu eigens kleine Hefte anfertigen, in welche der Darlehensbetrag und die Rückzahlungsraten eingetragen werden konnten, und tatsächlich gewährten 34 Zwettler, meist Handwerker, aber auch der Pfarrer, der Schullehrer und zwei Privatpersonen, der Gemeinde zinsenlose Darlehen in der Höhe von jeweils 100 oder 50 Gulden Wiener Währung[i]. In Summe kamen dabei 2.300 Gulden zusammen. Die Gemeinde verpflichtete sich, den Betrag innerhalb von fünf Jahren in mehreren Raten zurückzuzahlen, was tatsächlich auch geschah. Einzelne Darlehensgeber dürften großzügig auf die Rückzahlung verzichtet haben.
Gleichzeitig erhöhte die Gemeinde die Brückenmautgebühren und verkaufte 1821 und 1822 deutlich mehr Brennholz aus den Stadtwaldungen, um die Rückzahlungsraten und die Kosten für die Turmsanierung abdecken zu können.
Den Dachstuhl stellte der Zwettler Zimmermeister Alexander Bayer (heute Schulgasse 14) her. Er sollte dafür 750 Gulden bekommen. Als Prämie, für den Fall, dass man mit seiner Arbeit vollauf zufrieden sein sollte, stellte man ihm weitere 50 Gulden in Aussicht, die er letztlich auch bekam. Mit den Spenglerarbeiten betraute man Anton Hofbauer aus Waidhofen an der Thaya. Er sollte für seine Arbeitsleistungen und diverses Kleinmaterial wie Lötzinn und Nägel 680 Gulden bekommen, das Blech kaufte die Gemeinde bei dem in Zwettl ansässigen Handelsmann Josef Skall (heute Sparkassenplatz 1). Die Eindeckung des Rathausturmes kostete in Summe 3.540 Gulden 24 Kreuzer.
Das Aufsetzen des kaiserlichen Adlers auf die Turmspitze beging man am 1. Juli 1820 mit einem Fest bei feierlicher Musik und Böllerschießen. Alle städtischen und kaiserlichen Beamten, der gesamte Bürgerausschuss, Honoratioren aus der Nachbarschaft und mehrere Bürger waren anwesend. Es gab Wein, Met, Bier und Brot sowie Trinkgeld für die am Bau beschäftigten Handwerksgesellen. An die Jugend wurde Obst verteilt. Die Gesamtkosten der Turmsanierung, samt Fuhrlohn und Ausgaben für die Feier, beliefen sich auf 3.966 Gulden 35 Kreuzer.
Quelle: Stadtarchiv Zwettl, Karton 14,
[i] 1 Gulden im Mai 1820 entspricht dem Wert von 19,78 Euro im Jahr 2019.
Darlehensheft des Lebzelters Franz Korb, Eintragung